Babyschwimmen in der Räuberpost

... ein Artikel ohne Tauchfotos und Chlorgeruch

Vor einiger Zeit war ich  in einem großen  Erlebnisbad. Zusammen mit vielen anderen  Menschen.

Es roch wie im Desinfektionsbad.  Da konnte  ich  die  Expertenmeinungen gut nachvollziehen, die vorm  Babyschwimmen wegen der Gefahr für die Atemwege der Kleinen warnen. Andere finden das  trotz  Chlor  unproblematisch, halten aber gar nichts vom Tauchen. Um ein bisschen mehr über die Hintergründe zu erfahren, habe ich mich mit Daniela Parge getroffen. Sie  ist selbst eine  erfahrene Baby-Schwimmkurs-Leiterin, selbständige Aquatrainerin, Physiotherapeutin und neuromotorische  Entwicklungsförderin (lNPP).

Kurz: Sie kennt sich besonders gut mit der Entwicklung von Babys an Land und im Wasser aus. Also: Macht Babyschwimmen Sinn?


Räuberpost: Daniela, werden bei dir im Babyschwimmkurs (in  der Volksschwimmhalle Schwerin)  die  Babys getaucht?


Daniela  Parge:  Nein.  und  zwar  deshalb  nicht,  weil es meiner  Meinung  nach  völlig  unnötig  ist. Nach allem, was ich über das Tauchen weiß, bringt es nichts, außer ein besonderes Foto.


Aber es ist doch ein super Schutz vor Ertrinken, wenn der Tauchreflex  rechtzeitig trainiert wird?


Unter Wasser sind zwei Reflexe wichtig: Der Atemschutzreflex. Er verschwindet ohnehin irgendwann im I.  Lebensjahr und wird bis dahin durch einen Schreck ausgelöst, also zum Beispiel durch das schnelle Anpusten.

Dann schließt sich der Kehldeckel und es kann kein Wasser in die Lunge eindringen.

Er ist eine Panikreaktion das möchte man eigentlich nicht. Dann gibt es noch den Tauchreflex, der eigentlich für  Babys nicht trainierbar ist. Durch ihn werden Herzschlag und Blutdruck beim Tauchen verringert, um möglichst lange mit wenig Atemluft auskommen zu können. Es gibt keine Belege dafür, dass das "Training" dieser Reflexe durch Untertauchen des Babys möglich ist oder irgendwelche Vorteile für das Kind hat. Weder als Schutz vorm Ertrinken,  noch für das Schwimmenlernen.


Aber macht dann Babyschwimmen überhaupt Sinn?


Natürlich! Die meisten Babys lieben es, mit einer engen  Bezugsperson im Wasser zu sein! Sie haben die volle Aufmerksamkeit und viel lnteraktion, das ist toll! Und sie lernen ihren Körper ganz anders kennen und spüren diese angenehme Leichtigkeit im Wasser, genau wie wir Erwachsenen. Oft berichten Eltern, dass ihre Babys nach dem  Schwimmkurs plötzlich einen motorischen Fortschritt gemacht haben.


Also wäre es günstiger,  erst  mit  einem  Kurs zu  beginnen, wenn  das Baby schon etwas älter ist?


Meiner  Meinung  nach ja. Am liebsten ist es mir, wenn die Kinder mindestens 6 Monate alt und, schon richtig auf der Welt angekommen`` sind. Dann können sie das schöne Element Wasser in Ruhe kennenlernen und genießen. Und ich finde übrigens, dass das auch ohne Singen funktioniert, in meinen Kursen jedenfalls.


Dann spricht nur die Sache mit dem Chlor gegen das Babyschwimmen...


Glücklicherweise ist das für die allermeisten Babys kein Problem. Nur familiär vorbelastete, sehr allergiegefährdete Kinder sollten lieber auf das Babyschwimmen verzichten, weil sich ein Asthma-Risiko entwickeln könnte. Das betrifft nur ca. 5% aller Kinder.
Der Chlorgeruch kommt übrigens von Chlorverbindungen in der Luft. Clor wird dem Wasser aus Hygienegründen zugesetzt. Je kleiner das Becken ist, je häufiger das Wasser gereinigt wird, je weniger Menschen dort baden und je  hygienischer die Badegäste sind (also duschen, Toilette, keine Kosmetikrückstande), desto weniger Chlor wird benötigt und desto sicherer ist das Babyschwimmen. Nach diesen Kriterien kann man den Kurs aussuchen.


Danke für die vielen lnfos und viel Spaß weiterhin beim Plantschen mit den Babys und Eltern!
Daniela  Parge ist zu erreichen unter: www.reflexartig-Ieicht.de

Sie bietet Babyschwimmen in der Volksschwimmhalle Schwerin-Lankow an (jeden  Di  9.30 + 10.30, 13.45Uhr), Schwangerenschwimmen in SN-Lankow (Di  14.45 Uhr) und Babyturnen in Sternberg  (Do 10 Uhr).

Quelle: Räuberpost Ausgabe Winter 2019/2020

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