„Bewegung ist die Grundlage allen Wachstums und Lernens"


Wie hängt die Bewegung mit dem Lernen zusammen?

Jedem, der sich mit den Themen Bewegung, Lernen und Verhalten befasst, wird aufgefallen sein, dass kindliche Entwicklungsauffälligkeiten in nahezu epidemischer Weise zugenommen haben. Eltern, die Kinder mit Problemen haben, die nicht so offensichtlich sind und keiner speziellen Diagnose zugeordnet werden können, haben Schwierigkeiten die richtige Anlaufstelle zu finden.

Es handelt sich um Probleme wie Verhaltensstörungen (darunter Konzentrationsstörungen, Hyperaktivität, Aggressivität, Schüchternheit), Lernstörungen, Wahrnehmungsstörungen (hören/sehen/fühlen), Bewegungsstörungen (grobmotorisch, feinmotorisch) oder ganz allgemein Entwicklungsverzögerungen.

Die Liste der Begriffe ist endlos. Familien, Lehrer und Erzieher müssen mit diesen Auffälligkeiten täglich umgehen.


Wo kommen diese Probleme her? Gibt es eine Ursache?

Eine Möglichkeit den Dingen auf den Grund zu gehen, ist die Betrachtung der frühkindlichen Reflexe. Reflexe sind „unbewusste, stets gleich bleibende Reaktionen des Organismus auf Reize, die das zentrale Nervensystem entweder aus der Umwelt oder aus dem Körperinneren erhält.“ (Faller 1995, S. 404). Primitive (oder primäre oder frühkindliche) Reflexe entstehen im Mutterleib, haben ihren Höhepunkt bei der Geburt und integrieren sich, bzw. werden abgelöst im 1. Lebensjahr. Die Hauptaufgaben dieser Reflexe ist es Bewegungen zu ermöglichen, die Muskelspannung aufzubauen, die Hirnausreifung zu unterstützen, aktiver Einsatz des Babys bei der Geburt mit Hilfe der Reflexbewegungen und Sicherung des Überlebens des Kindes in der ersten Zeit nach der Geburt.


Reflexe und ihre Bedeutung für die Entwicklung des Kindes im ersten Lebensjahr

Der wahrscheinlich bekannteste frühkindliche Reflex ist der Moro-Reflex. Erschreckt sich das Kind, streckt es Arme und Beine von sich, atmet tief ein und hält kurz den Atem an. Danach atmet es wieder aus, (ev. Schrei) und führt die Arme und Beine wieder zurück zum Körper. Ausgelöst werden kann diese unreife Schreckreaktion durch laute Geräusche, Lichtveränderungen (z.B.: Fernsehlicht), Lageveränderungen oder Berührungen. Dieser Reflex ermöglicht dem Kind den ersten Atemzug nach der Geburt. Weitere Überlebensreflexe sind zum Beispiel der Hand- und Fußgreifreflex (festhalten an der Brust der Mutter) und der Such- und Saugreflex (Nahrungsaufnahme).

Der ATNR (asymmetrisch tonischer Nackenreflex) ist der Reflex, welcher die „aktive Geburt“ des Babys unterstützt und das erste Training der Hand-Auge Koordination darstellt. Dieser Reflexe wird besonders bei Lese- und Schreibschwierigkeiten angeschaut. Ausgelöst wird der ATNR durch eine Kopfdrehung. Dabei strecken sich der Arm und das Bein der Gesichtsseite und auf der Hinterhauptsseite beugen sich Arm und Bein (Fechterhaltung).

Den Umgang mit der Schwerkraft herauszubilden, dass unterstützt der TLR (tonischer Labyrinthreflex). Ein schlechtes Gleichgewicht, Zehenspitzengang (über das Alter von 3 ½ Jahren hinaus), fehlende Regulierung der Muskelspannung, Probleme bei Augenbewegungen, Schwindel, Reiseübelkeit über die Pubertät hinaus, Orientierungsprobleme, Kopfschmerzen und Hörverwirrungen sind nur einige mögliche Auswirkungen von Restreaktionen des TLR.

Es gibt noch mehr primitive Reflexe. Jeder hat ganz bestimmte Aufgaben und ist auch dann passend dazu aktiv – im Mutterleib, unter der Geburt, im ersten Lebensjahr oder das ganze Leben als Stütz- und Haltereaktion. Deswegen ist es auch verständlich dass Störfaktoren in der Schwangerschaft (Rauchen, Stress, Infektionen, medizinische Probleme u.a.), unter der Geburt (Kaiserschnitt, Saugglocke, Zange, Sturzgeburt, Frühgeburt u.a.) und im 1. Lebensjahr (kein Kriechen/ Krabbeln, frühes laufen lernen, zu viel sitzen u.a.) die Entwicklung eines Menschen bis ins hohe Alter prägen. Die Einen kommen mit diesen Restreaktionen besser zurecht und bewältigen die Kompensationsmechanismen besser, als andere.

Bei den Kindern und Familien, wo der Leidensdruck zu groß wird, kann die INPP Methode eine Hilfe sein. Die Anforderungen an Eltern steigen. Einige sind in vielerlei Hinsicht überfordert und zweifeln an ihren erzieherischen Fähigkeiten. Obwohl das Kind offensichtlich intelligent ist, treten spätestens in der Schule unerwartete Probleme auf und/ oder die Kinder zeigen unangemessene Verhaltensweisen. Die INPP Methode kann herausfinden, ob die Ursache der Probleme neuromotorische Unreife ist und diese behandeln. In der Reflexintegrationstherapie wird jedes Kind wird von Kopf bis Fuß betrachtet. Und es wird nicht nur die aktuelle Situation gesehen. Die Detektivarbeit beginnt schon in den ersten Wochen nach Befruchtung. Und sollten die Eltern nicht mehr genau wissen, ob es medizinische Probleme bei der Schwangerschaft gab, wie die Geburt ablief, wann und wie das Kind gekrochen und gekrabbelt ist, wann es angefangen hat Zweiwortsätze zu sprechen und einiges mehr, sieht man es bei der Testung des Kindes.

Sollten Restreaktionen frühkindlicher Reflexe als Zeichen neuromotorischer Unreife die Ursache für die Lern- und Verhaltensprobleme sein, so werden sie gefunden.

Der ganzen Familie kann durch das Erkennen der Zusammenhänge häufig schon geholfen werden. Und die Therapie ermöglicht dem Kind den Herausforderungen des täglichen Lebens, leichter zu bewältigen. Die investierten 1 bis 1,5 Jahre sind in der Regel nur einmal erforderlich.


Wann sollten Eltern sich bei mir melden?

  • Schwierigkeiten, Fahrrad zu fahren oder Schwimmen zu lernen

  • Unfähigkeit, still zu sitzen oder leise zu bleiben

  • Probleme beim Schreibenlernen, schlechte Schreibschrift

  • Probleme in der Sprache und Artikulation

  • motorische Schwierigkeiten: Kind kann nicht balancieren, rückwärtsgehen, Rolle vorwärts, einen Ball fangen, auf einem Bein hüpfen uvm.

  • aggressives Verhalten

  • Schul- und Versagensängste


Die Familien allein entscheiden, wann es an der Zeit ist eine Reflexintegrationstherapie in Betracht zu ziehen.




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